Ein Wort zu Filtern
Ein sehr groß diskutiertes Thema… In der Fotografie scheinen mir FILTER das Pendant zu KLINGELTÖNEN am Handy zu sein… ;-) Eine Möglichkeit VIEL Geld zu machen. Und ich glaube eines der Themen, die halbherzig von vielen begonnen werden und dann in großer Enttäuschung münden. Viele gehen nämlich mit der Einstellung heran: Jeder Filter macht jedes Bild immer besser! Das ist schlicht falsch! Richtig ist: Mit Filtern KANN man aus vielen Bildern gezielt Informationen herauskitzeln oder Störfaktoren entfernen, für die dieser Filter speziell dann auch entworfen ist. Was heißt das nun konkret? Zunächst einmal gibt es auch bei Filtern wieder den Unterschied, ob sie visuell oder fotografisch zum Einsatz kommen sollen! Die Unterschiede können durchaus gravierende Auswikungen auf ein Foto haben oder gar im visuellen Bereich komplett am Ziel vorbei gehen und den gewünschten Anblick zerstören! Oft ist es das liebe Geld, was einen zum falschen Filter greifen lässt - denn es ist oft tatschlich fotografisch viel wichtiger welche Komponenten ein Filter aufweist. Entsprechend ist es visuell oft preiswerter möglich bestimmte Eigenschaften zu konzentrieren… Wer jetzt nur nach dem Preis geht, wird unter Umständen enttäuscht. Grundsätzlich: Ein Filter NIMMT immer nur Informationen (Licht) aus dem Urbild HERAUS. Er macht also ein Bild nicht schärfer, kräftiger, besser, toller - er kann aber unter Umständen störende Informationen herausnehmen und so die gewollten Informationen konzentrieren. Ein gefiltertes Bild wird damit aber immer Licht VERLIEREN und das bedeutet praktisch dann Belichtungszeiten VERLÄNGERN bzw. Bilder BLASSER erscheinen lassen, wenn man nicht auch andere Parameter entsprechend anpasst! Das heißt nicht, dass sie unnütz und hinderlich sind - aber eben auch nicht, dass sie die Universallösung und das Allheilmittel für schlechte Optiken, Bedingungen oder Einstellungen sind! Ein unscharfes Bild bleibt unscharf. Das Rohbild bleibt inhaltlich, was es vor dem Filtern war! Aber: Natürlich KANN ein Filter durchaus das Bild positiv beeinflussen, wenn man gezielt nur die Informationen durchlässt, die man wirklich sehen will und andere eben nicht - also herausfiltert. Heißt: Lasse ich nur Licht einer bestimmten Wellenlänge hindurch, dann wird das Gesamtbild erst einmal blasser, weil viel Licht - nämlich alles der anderen Wellenlängen - schon mal einfach blockiert wird. Um dann trotzdem das Bild kräftig erkennen zu können, muss man dann die Belichtungszeit entsprechend erhöhen und bekommt so dann „scheinbar“ ein kräftigeres Bild - für genau den Bereich, den der Filter durchlässt. Soweit so gut - hier tut der Filter genau das, was er soll. Praktisch allerdings tut der Filter damit auch Dinge, die er NICHT tun soll! Eine verlängerte Belichtungszeit hat die Gefahr von Bewegungsunschärfen, Störartefakten wie durchfliegende Objekte, Veränderung des optischen Wegs durch Staub und Kratze oder Glas und dessen Schichtdicke. Es gilt also der Grundsatz von Fluch und Segen zugleich! Für den Feldastronom beginnt das Problem dann zum Beispiel beim Fokussieren. Das ist im Dunkeln ohnehin schon ein schwieriges Unterfangen. Wenn man nun aber die wenigen Informationen die man visuell zur Fokussierung nutzen kann dann noch durch extreme Filter weiter reduziert, dann kann es bei vielen Regionen echt schwer werden noch visuell fokussieren zu können. Auch Autofokussysteme stoßen schnell an Grenzen bei Verwendung von Filtern und so kann es manchmal hilfreich sich, sich entsprechende Fokuspositionen im Vorfeld an bekannten und geeigneten Objekten zu speichern, die dann ohne sichtbares Bild trotzdem die richtigen Fokuspositionen anzufahren ermöglicht. Unten mal eine (unbearbeitete) Vergleichsserie aufgenommen mit einer mittleren Brennweite unter semiguten Bedingungen. Ich habe hier eine Farbkamera und neben einer ungefilterten Aufnahme je eine mit Optolong L-eNhance und Optolong L-eXtreme verglichen. Die beiden Farbfilter sind schmalbandig und lassen im Falle des eNhance die Bereiche H-Alpha, H-Beta und O-III, im Falle des eXtreme H-Alpha und O-III durch. Man sieht neben farblichen Unterschieden auch dass die Sterne etwas zurücktreten. Was vorteilhaft sein kann. Der Nebel wird scheinbar stärker hervorgehoben. Nur die halbe Wahrheit, denn was man nicht sieht ist, dass die ungefilterte Aufnahme 120s belichtet wurde. Die gefilterten Bilder 180s. Also schon länger! Bei EINEM Bild nicht wichtig - aber bei einer Serie von 30 Bildern schon ein Faktor! 20x 2 Minuten bedeutet 40 Minuten belichten. 20x 3 Minuten 60. Je nach Objekt wo vielleicht auch mal 5 Minuten belichtet werden muss und sich das auf 7 streckt - das kann etwas ausmachen! Und wir sind hier nur im Farbbereich! Jetzt stelle man sich den monochromen Bereich für LRGB Aufnahmen vor, wo dann vier Kanäle separat aufgenommen werden, also aus den vermeintlichen 30x5x4=600 Minuten dann 30x7x4=840 Minuten werden… Das entscheidet dann schon darüber, ob das ein mehrnächtiges Projekt wird oder alles in einer Nacht erreicht wird, was man zur Bearbeitung braucht. Und natürlich erhöht sich auch der Ausschuss dann und so verlängert sich das unter Umständen weiter durch Wiederholungsaufnahmen! Der Faktor Zeit ist also nicht zu unterschätzen! Im Bild selbst werden dafür die eigentlichen Nebelstrukturen feiner und detailierter - im letzten Bild kann man schon vom Kern deutlich weiter entfernte Schleier ausmachen, die in der ungefilterten Aufnahme noch überdeckt von Sternen und nicht hervortretend abgebildet wurden. Die Farben lassen sich alle nachträglich korrigieren. Aber man erkennt, dass gefilterte Aufnahmen einerseits zwar mehr an Informationen bieten können, andererseits aber auch mehr Nacharbeit bedeuten und die Aufnahmen der Rohddaten komplexer werden lassen können. Was wir hier jetzt auch noch erwähnen müssen: Der Filter verändert auch das Setup. Angefangen von der durch die Filterdicke veränderten Fokussierung, über zusätzliche Kratzer und Staub, hin zu komfortablen aber schweren Filterrrädern, die ein passendes Filterarsenal zum Durchschalten parat halten… Gewicht und optischer Weg werden massiv beeinflusst und fordern das Equipment sehr! Das Wetter muss hier dann auch passen und je nachdem wo das Objekt am Himmel steht, kann der Zeitaufwand zur echten Herausforderung werden, wenn es in Richtung Horizont Licht, Wolken, Vögel, Flugzeuge und was sonst noch alles hat.
Merke: FILTER nehmen grundsätzlich Informationen aus dem Bild heraus und fügen Nichts hinzu! Durch das Entfernen störender und unerwünschter Information wird aber das Zielobjekt dadurch unter Umständen deutlicher hervorgehoben. Durch eine generelle Abschwächung des Bildes müssen andere Parameter aber meist deutlich angepasst und der Einsatz somit abgewogen werden. Zusätzlich zu optischen Effekten müssen Belichtungszeiten, Gewicht, Fokus und natürlich das Objekt selbst für einen Filtereinsdatz und eine Filterauswahl geeignet sein und abgestimmt werden. Die Kombination von Aufnahmen aus Filtern und ungefilterten Bildern kann unter Umständen hilfreich sein.