Jetzt wird es praktisch… - Stacking
Ich hatte an verschiedenen Stellen schon gesagt, dass es in der Astrofotgrafie in der Regel nicht um Einzelbilder, sondern Langzeotbelichtungen geht. Das ist anfangs etwas verwirrend, denn meist stellt man sich unter einer solchen Langzeitbelichtung eben doch eine einzelne Aufnahme vor. Aber: Dem ist eben gerade nicht so. Langzeit definiert sich hier durch das Addieren viele kurzer Aufnahmen. Denkt man ein wenig darüber nach, wird schnell klar warum. Angenommen ich möchte eine Stunde lang belichten. In der Einzelaufnahme gibt es nun enorm viele Risiken, was passieren kann, wenn man nun tatsächlich eine Stunde lang auslösen würde…- Alles, was in dieser Stunde passiert wandert ins Bild! Ein Satellit/Flugzeug fliegt durchs Bild. EIn Auto fährt vorbei mit Scheinwerfern. Wolken ziehen auf oder durch. Der Fokus verstellt sich temperaturbedingt. Viele Dinge können Einfluss nehmen. Und hier nutzt man den Vorteil des Stackings. Zu deutsch: Stapeln! Analog kann man sich das so vorstellen. man fertigt ein Menge blasser Bilder an - Dias oder Folien - und legt diese dann exakt übereinander. Dadurch verstärken sich alle Bilder. Das resultierende Bild ist kräftig, verzeiht einige Störfaktoren, weil sie überdeckt werden. Nur Informationen, die wirklich bildrelevant sind, werden verstärkt und setzen sich durch. Genau so geht das auch digital. Man fertigt viele kurze Aufnahmen an und rechnet aus allen Bildern die guten Anteile zusammen. Sollte doch einmal ein Flugzeug durchfliegen - kein Problem, ein kurzes Bild, wenige Sekunden, einfach rauslassen aus dem Stapel und schon gab es nie ein Flugzeug. Der Fokus verstellt sich? Kein Problem - Aufnahmereihe stoppen, nachfokussieren, Reihe fortsetzen. Das Ganze wird natürlich von einer Software erledigt… Vorteil: Nur die Gutanteile werden verwendet und man hat je nach Software viele Möglichkeiten den Stapelprozess zu beeinflussen. Sei es in der Empfindlichkeit, sei es inhaltlich, sei es in der Art wie Informationen/Daten gewichtet werden. Und noch etwas wird möglich: Man kann nicht nur Sammelbilder mit allen Farbinformationen summieren - es ist duch den Einsatz spezieller Filter und/oder Kameras auch möglich selektiv bestimmte Daten kombinieren.
Kaum zu glauben, oder? Begleitend zum Stacking erfolgt ein Stretching. Schon wieder englisch. Huiii… ;-) Stretching = Strecken - gestreckt werden die Farbbereiche. Es wird der Schwarzpunkt verschoben und die Farben angepasst. Am eigentlichen Rohbild ist nämlich nicht all zu viel zu sehen… Vergleichbar mit dem latenten Bild in der analogen Schwarz-Weißweiß-Fotografie. Die genutzte Software wird aber in der Regel Stapel aus den Einzelbildern erstellen und abschließend dann Farben, Kontrast und Helligkeit so anpassen, dass ein sichtbares Bild ensteht.Schließlich erhält man ein Bild, welches man dann noch passend nachbearbeiten kann. Nochmal deutlich: Es werden an sich nicht mehr Informationen - sie werden nur um störende Faktoren wie Staub, Kratzer und/oder Rauschen bereinigt die bei Langzeitaufnahmen zeitbedingt Störungen darstellen und die bildgebenden Elemente intensiviert - aber nicht „dazugedichtet“ oder neu entdeckt. Nur deutlicher und sauberer! Vorteil auch: Es lassen sich weitere Bildserien erstellen, um Staub, Optik-Fehler, Rauschen jeweils zu bestimmern und herauszurechnen. Das ist schon echt genial! Ein neuerer Trend ist dabei auch das Livestacking, wo all das direkt zur Aufnahmezeit erledigt werden kann und man nciht mit Zusatzsoftware dann hinterher aufwändig nachbearbeiten muss. (Es sei aber verraten, dass sich das trotzdem oft durchaus lohnt…!) Und achtung: Es gab tatsächlich im Zeitalter der KI auch schon Ansätze, wo zum aufgenommenen Bild dann tolle NASA-Fotos dazugerechnet wurden um es aufzupeppen…. Das ist natürlich aus meiner Sicht abzulehnen - aber fatalerweise teilweise auch gar nicht erkennbar! Die Gefahr der Bildbearbeitung ist ohnehin schon, dass das Ergebnis Kunst und nicht Wissenschaft darstellt… Also gar nichts mehr mit der eigenen Entdeckung zu tun hat! Aber bewusst zu schummeln und Fremdinformationen einzuarbeiten - das ist Betrug und dürfte niemanden glücklich machen! Minimum sollte also sein dann darauf auch hinzuweisen - aber aus meiner Sicht gilt es darauf gleich zu verzichten! Merke: Beim Stacken werden viele kurze Belichtungen zu einer Gesamtaufnahme addiert, wobei jeweils nur die wirklichen Bildanteile gewichtet werden und sich verstärken,Störfaktoren wie Flugobjekte, Rauschen und geringe Unschärfen im resultierenden Endbild dann aber verblassen (je nach Software auch „verschwinden“). Das Stacken erhöht nicht die Details oder schafft neue Bildelemente - es verstärkt nur die sichtbaren Informationen und filtert Störelemente aus, die nicht zum eigentlichen Bild gehören. Für den Vorgang des Stackens nutzt man Software. Teilweise gibt es hier Freeware, unter Umständen lohnt sich aber auch der Einsatz lizenzierter Lösungen um mehr Optionen zu haben oder auch spezielle Anforderungen erfüllen zu können.