Wer ein Teleskop kaufen will, der steht vor einer Menge Begriffe und Möglichkeiten! Das Budget reicht von wenigen 100 bis mehrere 1.000 Euro NUR für das Teleskop selbst. Wer gar Spezialteleskope erwerben möchte z.B. für die Sonnenastronomie, der wird sich unter Umständen auch schnell im 5-stelligen Bereich bewegen, für Hobbyastronomen ja doch eher unerschwinglich… Worauf also achten und wofür entscheiden, wenn das Budget etwas kleiner ist?
Bei meinen Betrachtungen gehe ich nicht von Spezialfällen aus! Es soll um eine Entscheidung für Anfänger gehen und stellt meine ganz persönliche Bilanz und Meinung dar. Ganz grob kann man sagen, dass man mit jedem Teleskop auch alles beobachten und fotografieren kann. Manches eben mit etwas besserem Ergebnis mit dem einen oder anderen… Und bei dem einen braucht man vielleicht noch Zubehör, was woanders entfällt. Wie immer kommt es drauf an - vor allem denke ich auf den Preis. Als Faustregel gibt es die Hauptauswahl zwischen Spiegel- (Reflektor) oder Linsenteleskopen (Refraktor). Und es heißt Spiegel punkten vor allem bei Deepsky, Linsen eher bei Details wie Mond und Planeten. Ich war immer etwas zwiegespalten mit dieser Aussage, denn wie oben gesagt, kann man prinzipiell durchaus beides mit beiden Varianten beobachten und auch fotografieren. Daher kommt es auf ein paar mehr Parameter an und die Frage ist, woher kommt diese merkwürdige Regel? Die Antwort erhält man, wenn man sich anschaut, welche Parameter in den Preislisten dann tatsächlich von Bedeutung und daher aufgelistet sind. Die „Vergrößerung“ als Wert spielt wie man bemerken wird eher eine untergeordnetere Rolle, denn ein weit entferntes Objekt wird immer auch weit entfernt bleiben und es kommt auf das Objekt an, ob man eine starke Vergößerung braucht oder nicht… Und dann müssen auch noch viele andere Bedingungen stimmen, damit schließlich auch der gesamte Vergrößerungsbereich ausgeschöpft werden kann. Aber langsam. Schauen wir genauer hin: Preis: Der Preis ist sicher mit das erste worauf man schaut. Der eines Spiegelteleskops ist im Vergleich zu einem Linsenteleskop eher niedriger bei gleichen Parametern! Linsen zu Schleifen ist sehr aufwändig und es entsteht unter Umständen Ausschuss. Das Ausgangsmaterial und etwaige Vergütungen oder Herstellverfahren um Farbfehler zu vermeiden und genug Licht durchzulassen, ist relativ teuer. Rein auf diesen Punkt betrachtet bietet sich somit ein Reflektor an. Hier ist es in der Regel wesentlich einfacher der Physik einen Rahmen zu geben, aber dafür auch ein wenig geringer in der Robustheit. Gewicht und Größe: Als Feldastronom ist das ein sehr wichtiger Punkt, weshalb ich ihn gleich als zweites bringe. Beschreibungen von Händlern warten meist sehr viel später im Kontext und manchmal gar nicht mit diesem Punkt auf. Im Allgemeinen sind Refraktoren schwerer und bei vergleichbarer Brennweite dann auch sperriger und schwerer zu handeln. Auch hier ist der Reflektor also unter Umständen eine gute Wahl, da dieser meist kürzer gebaut und insgesamt leichter sein wird. Je nach Öffnung kann das natürlich auch schnell anders aussehen… Öffnung, Geschwindigkeit/Lichtsammelvermögen: Alles was wir da oben sehen möchten, wird nur sichtbar durch das ausgesandte Licht. Unser Teleskop sollte also in der Lage sein möglichst viel davon sammeln zu können. Logischerweise klappt das besser mit einer größeren Öffnung. Daher verwundert es also nicht, dass eine größere Öffnung mehr Licht sammelt, somit unter Umständen mehr Details liefert und im Vergleich kürzere Belichtungszeiten benötigt, um die gleiche Lichtmenge gesammelt und zur Abbildung geleitet zu haben. Spiegelteleskope sind hier wieder klar im Vorteil, weil sie in der Regel größere Öffnungen bezahlbar machen, da kein ausfwändiges Linsensystem mit entsprechendem Durchmesser benötigt wird. Ferner ist der Farbfehler deutlich kleiner bis gar nicht vorhanden und ein Spiegel arbeitet im Idealfall nahezu verlustfrei, wohingegen eine Linse immer auch etwas von dem eingefangenen Licht schluckt. Dafür muss ein Spiegelteleskop aus meiner Sicht mehr gewartet, von Zeit zu Zeit müssen z.B. die Spiegel justiert werden, vor allem im mobilen Einsatz. Ebenfalls ein Nachteil könnte ein Reflektor sein, wenn man doch mal auf die Sonne ausrichten möchte, da hier die Spiegel bzw, der Leim z.B. des Umlenkspiegels hitzeempfindlich sein kann. Auch Linsenteleskope sollten vorher auf ihre Eignung dazu geprüft werden. Für lichtstarke Objekte, beispielsweise auch Planeten, sind die Nachteile der Linsen kein Problem und liefern hier in der Regel dafür mehr Kontrast. Bei sehr lichtschwachen Objekten aber, kann ein schneller Reflektor, schnell weil kürzere Belichtungszeiten im Vergleich, wirklich punkten. Und hier liegt der Hauptgrund für obige Regel. Da man bei Deepsky im Verhältnis wesentlich länger mit Belichten beschäftigt ist, kann der Faktor Geschwindigkeit relevant werden! So viele gute Nächte haben wir nicht und unter Umständen ist es ein Vorteil dann schnell viele kurze Bilder zu haben, als wenige längere, die darüber hinaus auch störanfälliger sind was Flugzeuge und Sateliten angeht. Man wird dann im Refraktor deutlich mehr Bilder brauchen und durch die kleinere Öffnung sicher auch weniger Details auflösen können. Grob ist diese Regel also nicht falsch - aber nicht jeder will sich zwei Geräte oder mehr hinstellen und daher wäre mein Kriterium Gewicht und Preis und die Beruhigende Gewissheit: DIESE Entscheidung schließt weder das eine, noch das andere aus. Es ist zum Beispiel auch möglich aus mehreren Nächten Bilder zu kombinieren, was diesen Nachteil dann auch etwas relativiert. Da ist die Brennweite eher ein Faktor, wenn es um die Frage nach Spiegel oder Linse geht… Brennweite: Diese ist durchaus ein wichtiger Punkt, denn mehr Brennweite heißt indirekt auch auch mehr „Vergrößerung“. Wie immer ist man geneigt zu sagen also so hoch wie möglich greifen, damit man alles schön groß ranholen kann. An sich in der Theorie nicht falsch - ABER… Andere Größen machen uns hier leider ein Strich durch die Rechnung. Erstens der Preis. Die nötigen Optiken kosten bei zunehmender Brennweite egal ob Spiegel oder Linse immer gleich mal mehr! Deutlich mehr zum Teil! Kleinere Fertigungsfehler steigern sich enorm und so ist das eben noch mal ein Stück schwieriger herzustellen. Schwieriger auch das Aufsuchen von Objekten. Selbst mit GoTo und guter Einnordung der Montierung, gutem Alignment. Jeder hat bestimmt schon mal versucht mit dem Fernglas ein Objekt zu betrachten, vielleicht einen Vogel. Je größer die Vergrößerung, desto schwieriger das Auffinden und wackelfreie Halten des Bildes. Das gilt umso mehr bei Teleskopen, die zwar deswegen kleine Sucherfernrohre dabei haben. Trotzdem bleibt es schwieriger ein Objekt genau zu treffen und zu halten, je mehr Brennweite die Optik mitbringt. Das verwendete Okular spielt natürlich auch seine Rolle. Das sehe ich aber als ohnehin zweckbezogen austauschpflichtig. Daher hier keine weitere Beschreibung. Bei den meisten Teleskopen sind zwei oder drei Okulare dabei von denen eines als Übersichtsokular mit breitem Sehfeld dient, ein anderes dann zum Details anschauen. Die Brennweite aber ist eine Fixgröße! Und ein viel wichtigerer Punkt ist meines Erachtens, dass in unseren Breiten die Bedingungen selten so gut sind, dass man so übermäßg hohe Brennweiten auch ausnutzen kann. Schnell frustriert schlechtes Seeing und die Planeten sind wabernde, unscharfe Scheibchen bei denen man wenig erkennt. Für Deepsky ist das Seeing, als besagte Störungen in der Atmosphäre, weniger von Bedeutung. Aber hier will man in der Regel eine größere Region anschauen. Zuviel Brennweite schneidet dann hier das Objekt ab und man müsste mit Mosaiktechnik ein Gesamtbild zusammensetzen oder damit leben. Zu klein wiederum ist auch nicht gut, weil Planeten dann eben wie Sterne kleine Punkte bleiben und ihre faszinierenden Oberflächen für sich behalten. Als universelle Größen erachte ich alles zwischen 1.000 und 2.000 mm und man hat hier noch etwas Spielraum wenn doch mal alles perfekt ist, indem man mit Barlows zusätzlich zu vergrößert. Oder auch zu reduzieren, wenn man es doch mal kleiner braucht und nicht ein weiteres Gerät kaufen will… Bildebene, Okularauszug und Fotografie: Ein weiterer Unterschied zwischen beiden Gerätetypen ist der Einblick. Beim klassischen Refraktor schaut man am hinteren Ende hinein, wie in einem Fernrohr. Beim Reflektor dagegen wird man in der Regel von der Seite hineinsehen. Das kann vor allem für kleinere Menschen schon mal schwierig werden, wenn Objekte zenitnah sind und die Montierung entsprechend hoch ist. Umgekehrt kann es für große Menschen beim Refraktor schwierig werden, wenn dieser den Einblick dann weit unten hat. Es gibt zwar Zenitspiegel, die dann den Einblick abwinkeln. Aber das ist optischer Weg und Gewicht, was zusätzlich wirkt! Unter Umständen zu viel. Bei beiden Varianten kommt es in der Fotografie dann vor, dass je nach verwendeter Optik vor allem die äußerem Sterne trotz korrekter Nachführung Striche werden. Kommas… Dafür braucht es korrigierende Linsen, die Komakorrektoren genannt werden. Beim Reflektor ist dieser Effekt wesentlich schwieriger in den Griff zu bekommen und bedeutet mehr Aufwand nach meiner Erfahrung, als bei einem Refraktor. Es gibt schon eingestellte Astrografen, die dann gleich den passenden Korrektor dabei haben. Hier ist aber oft dann auch der Preisvorteil geringer. Und beim Reflektor muss man sich durch den seitlich sitzenden Okularauszug beim Anhängen der Fotooptik auch schneller Gedanken um den optischen Weg machen! Während man beim Refraktor mit hinten sitzender Optik den Weg mehr oder weniger gut verkürzen oder verlängern kann, ist das bei Reflektoren eher schwieriger, weil verkürzen irgendwann dazu führt, dass der Einzug in den optischen Weg ragt und auch das Gewicht ist seitlich bei zunehmende Weglänge und somit zunehmendem Hebel früher von Bedeutung was Verkippungen, Ungleichgewichte oder Durchrutschen angeht. Apropos Durchrutschen: Wer sich nicht ärgern will, der achtet beim Kauf gleich auf einen hochwertigen Okularauszug, der ausreichend belastbar ist! Belastbar wird er in der Regel zum Beispiel durch eine Zahnstange! Hier wird der Fokus stabil mittels Zahnrad auf einer Zahnstange verstellt - bei preiswerteren Varianten erfolgt dies mit Teflonriemen/-platten und da rutschen früher oder später größere Kameras gern mal durch. Erst recht, wenn dann noch Zubehör wie Filterrad und Motorfokus dazukommen… Man kann durchaus auch alternative Okularauszüge montieren. Allerdings verändert sich damit in der Regel die Konfiguration in Brennweite, optischem Weg und weiteren Parametern - ist darüberhinaus mit Kosten und handwerklichem Geschick verbunden. Ist nicht einfach mit abschrauben und dranschrauben getan. Oft benötigt man passgenau Adapter, welche Sonderanfertigungen sind und entsprechend risikobehaftet und teuer. Und das Thema Motorfokus: Auch hier ist der Okularauszug von entscheidender Bedeutung! Wer zumindest schon mal schaut, dass es einen passenden und leicht nachzurüstenden Motorfokus für diesen Auszug gibt, der muss nicht wenn es mal nötig und bequemer wird am Auszug großartig bauen! Denn nicht jeder Motor passt überall gleich gut! Dieser Motorfokus ist nicht nur Luxus - im Eifer des Gefechtes und bei grenzwertiger Auslastung einer Montierung oder Wind kann es echt schwierig werden ohne Motorfokus den Fokus einzustellen. Aus meiner Sicht punktet bei den genannten Aspekten hier eindeutig der Refraktor. Je nach Fragestellung führt auch mehr oder weniger kein Weg am klassischen Blick durch das Fernrohr am hinteren Ende vorbei… Und das bietet nur dieser. So, und was kauft man nun mit diesen Infos? Ich tät es im Wesentlichen vom Budget abhängig machen, würde hier aber nicht zu sparsam sein! Wer etwas sparsamer unterwegs sein will, der wird mit Reflektoren glücklich werden. Wer etwas mehr aufbringen will und das vermeintlich höhere Gewicht nicht scheut, wird zum Refraktor greifen. Nach meinem Empfinden bietet ein Reflektor grundsätzlich mehr Öffnung und ist damit tendenziell schneller unterwegs. Ein Refraktor ist dafür aus meinem Empfinden etwas universeller einsetzbar und wartungsärmer. Um mit einem Reflektor fotografieren zu können braucht es aus meiner Sicht mehr Aufwand, wenn man es perfekt machen will. Und kommt im Preis dann wieder nah an den Refraktor heran. Aber beides hat seine Daseinsberechtigung! Brennweiten unter 1.000mm werden keine Ergebnisse für Planeten liefern. Brennweiten über 2.000mm werden oft unter schlechtem Seeing leiden. Als gutes Gewicht erachte ich alles unter 10 bis 15 kg. Mehr wird auf Dauer zur Belastungsprobe und die meisten passenden mobilen Montierungen kommen mit fotografisch rund 20kg ganz gut klar - oft aber gerade so. Mit dem nötigen Kleingeld gibt es Carbongehäuse. Das spart unter Umständen Gewicht und ermöglicht leistungsstärkere Optiken noch tragen zu können. Preislich dürfte ein Reflektor wie beschrieben zwischen 500 und 800 Euro kosten (NICHT-Carbon!), ein Refraktor schon gut bei 1.200 bis 1.500 und aufwärts! Beim Refraktor unbedingt vorher schauen, welches Glas, wieviele Linsen, Farbkorrigiert oder nicht und vor allem bei diesem auch den Okularauszug prüfen. Realistisch sind dann eher 2.000 bis 2.500 Euro! Also nicht erschrecken. Ansonsten kommt es ein wenig auch auif die Montierung und die daraus resultierende Arbeitshöhe an. Für viele Geräte gibt es passende Kombiangebote. Aber Achtung: Mitunter ist die mitgelieferte Montierung auch am Limit und wer langfristig schaut und doch vielleicht auch mal die Hauptoptik ändern möchte, muss dann unter Umständen nochmal neu kaufen, wohingegen eine seperat konfigurierte Montierung mit Spielraum nach oben zwar im Moment dann mehr kostet, auf lange Sicht aber bestimmt preiswerter kommt. Ich möchte keine Werbung machen und empfehle daher nichts. Darüberhinaus muss ja mein Empfinden nicht eurem entsprechen. Der Fachhandel hat hier seine Daseinsberechtigung und wird gern zur Seite stehen. Der Markt ist groß! Selbst in Kaufhäusern findet man immer wieder (oft im Spielzeughandel) Teleskope. Achtung aber: Schöne Bilder auf der Packung müssen nicht vom Inhalt stammen….. Ich empfehle den astronomischen Fachhandel! ;-) Leider muss man echt sagen, alles hat seinen Preis. Wer komplett neu in der Materie ist, wird vielleicht erst einmal auch mit einem Smartteleskop wie beschrieben sehr gut einsteigen können! Wer gleich richtig loslegen will muss deutlich tiefer in die Tasche greifen, damit sich die Erwartungen auch erfüllen! Und um erst mal reinzuschnuppern taugen die Smarties teilweise echt was!